Rush Hour - Haben wir noch Zeit für Werbung?

Rush Hour – Haben Sie noch Lust auf Werbung?

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Ich bin auf einer Messe unterwegs. Schon seit 2 Stunden. Die Zeit ist knapp. Es ist zu laut, zu warm, ich habe Durst und meine Füße brennen. Auf einmal schießt eine starke, bestimmende Männerstimme in mein Ohr:“ Kann ich Ihnen helfen?!“. Hinter ihm ein buntes Potpourri an Produkt- und Unternehmensbenefits.

Ich zucke kurz zusammen und neben mir, gefühlt viel zu nah, steht plötzlich dieser große Anzugsträger mit der silbernen Krawattennadel mit Logogravur. Er lächelt mich mit seinem trägen Lächeln aufforderungsvoll an. „Äh nein, Sie können mir nicht helfen“, denke ich. Allein die Frage impliziert ja, dass ich offensichtlich sehr hilflos wirken muss … oder er einfach einen schlechten Coach hatte. Kein guter Gesprächseinstieg. Hätte ich schnell verstanden, worum es bei seinem Messestand geht, hätte mich sein Stand optisch irgendwie angezogen, hätte ich mir vielleicht noch ein paar Infos geben lassen, aber so nicht. Ich schüttle höflich den Kopf, zwänge mir ein Lächeln ins Gesicht und gehe leicht genervt weiter.

Diese Situation kennen Sie sicherlich auch. Und unsere Reaktion darauf ist, dass wir unseren Blick schnell zu Boden richten und einen Schritt schneller an einem solchen Messestand vorbei gehen. Schade, da hat sich das teure Messebudget für das Unternehmen nicht gelohnt. Leider ist dies viel zu häufig so. Ein Stand nach dem Nächsten buhlt mit bunten Bildern, Slogans, Bannern und Co. um unsere Aufmerksamkeit. Doch nur einen Bruchteil davon nehmen wir wirklich wahr.

 

Gefangen in der Rush-Hour

Dieser Werbe-Fluss überschwemmt uns aber nicht nur auf Messen. Er steht exemplarisch für die aktuelle Werbewelt, in der es die Konsumenten wirklich schwer haben. Tagtäglich überfahren jeden von uns rund 3.000 Werbebotschaften. Die Kunden sind satt. Und sie haben es satt. Denn die Welt ist voll mit unpersönlicher Werbung. An jeder Ecke will einem irgendwer irgendetwas verkaufen. Und die Reaktion, ganz Mensch, ist Skepsis und Ablehnung.

Die Werbung trifft uns selten in einem entspannten Augenblick, in dem wir nichts anderes machen, und unsere Aufmerksamkeit ungeteilt einer Werbebotschaft schenken können. Vorerst nicht. Denn meist trifft die Werbung nicht unseren Nerv und spricht auch nicht unsere Sprache, wird daher von uns in der „nicht-relevant“-Schublade abgelegt.

 

Wie also können wir die Werbung zukünftig gestalten, ohne dass wir gleich auf Ablehnung und Kopfschütteln stoßen?

Durch Themenrelevanz, Authentizität und ehrliche Kommunikation. Es zählen nicht mehr die besten Argumente, sondern die emotionalen Pfeiler, die das Bild des Kunden rahmen.

Ein hilfreiches Instrument ist das Content-Marketing. Dieser große strategische Bereich stellt nicht mehr das Unternehmen oder das Produkt in den Vordergrund, sondern ein relevantes Thema. Es will in erster Linie informieren, nicht verkaufen. Es nimmt sich in der Propaganda zurück und schafft vornehm Vertrauen.

Kehren wir nochmal kurz zum Messe-Beispiel zurück. Auch hier wäre eine Content-Strategie eine gute Möglichkeit, den Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Denn warum kommt der Kunde auf eine Messe? Er möchte sich inspirieren lassen,… mal schauen, was es so gibt…, vielleicht hat er sogar konkrete Ideen und Fragen im Kopf,… er sucht nach Antworten…, vielleicht möchte er aber auch einfach nur entertaint werden. Alles ist gut so, und alles mit Content Marketing bedienbar, sofern wir unsere Kommunikation auf ein Thema reduzieren. Ein relevantes Thema, mit Liebe aufbereitet und gut präsentiert, wirkt auf den Messebesucher gleich viel verständlicher und einladender, als ein Bauchladen voller bunter Tüten.

 

Aber frisst so eine Marketing-Form nicht unnötig Ressourcen? Ich will doch verkaufen, nicht nur reden, mögen Sie denken …

Sicherlich, der Aufbau und die Durchführung einer Content-Strategie erfordern zunächst einmal viel Zeit und Energie. Denn der Kontakt zu Neukunden wird schon weit vor dem Kauf intensiviert. Wir zielen mit dieser Form darauf ab, den Kunden im Stadium seiner Informationseinholung zu treffen, an einem Punkt, an dem er noch unsicher ist. Wir versuchen ihn hier mit unseren Informationen so umfassend zu beraten, dass er sich eine feste Meinung bilden kann.

Das Ziel des Content-Marketings liegt daher nicht darin, einmalig ein Produkt/Dienstleistung zu verkaufen, sondern den Kunden langfristig durch die eigene Expertise zu binden. Wir sind die Experten. Wir geben Antworten. Und das, ohne dass der Kunde erst kaufen muss. Nein, wir geben ihm unser Wissen schon vorher an die Hand, damit er sich sicher fühlen kann. Langfristig wird diese Strategie die Markenbekanntheit und -bindung steigern.

 

Also – weg mit den bunten Tüten, weg mit den Verkaufs-Floskeln! Lassen Sie uns am Inhalt arbeiten!

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